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DA STEHT MAN VOR EINER WEGGABELUNG UND HAT MEHRERE MÖGLICHKEITEN, WIE DAS LEBEN WEITER GEHEN KANN

03.03.2015 – by Alice //

WILD von Jean-Marc Vallée – Ein Abend mit Reese Witherspoon – Eine Filmrezension

Es gibt Momente im Leben da muss man neue Wege gehen. Da steht man vor Weggabelung und hat mehrere Möglichkeiten, wie das Leben weiter gehen kann. Reese Witherspoon hat genau diese Chance genutzt. 2012 hat sie das Buch von Cheryl Strayed gelesen und war sofort begeistert. Noch während des Lesens hat sie gefesselt, da sie ihre Nähe zu Cheryl erkannt hat.

Auch Reese Witherspoon wollte ihr Leben ändern – weg vom lieblichen und humorvollen Blondchen, dass sie in so vielen Film gespielt hat. Weg vom immer gleichen Image. Sie übernahm die Produktion des Films, konnte den begnadeten Nick Hornby überzeugen das Drehbuch zu schreiben. Nach einigen Jahren der Vorarbeit übernahm sie auch die Hauptrolle. Dreckig wollte sie sein, erschöpft, frustriert. Nacktheit, Sex und Heroinschüsse – jede Szene hat sie mit Bravour gespielt, für nichts war sie sich zu schade. So glaubhaft, dass man das Gefühl hat man ist selber auf einem Roadtrip. So authentisch, als ob Reese wirklich den Pacific Crest Trail gegangen wäre ist. Kein einziges Mal nimmt man ihr die Rolle nicht ab. Man spürt das Gewicht des Rucksackes, bekommt schmerzhafte Füße, wenn man sich die langen Tagesmärsche vorstellt, ist begeistert von den traumhaften Naturgewalten des Weges.

Der Regisseur Jean-Marc Vallée hat es geschafft einen bildgewaltigen Film zu drehen. Schon bei Dallas Buyer’s Club hat er mit den schnellen Schnitten gespielt, schon da hat er Matthew McConaughey in eine vollkommen neue Position gesetzt. Matthew, der ernsthafte Schauspieler, der alles für eine Rolle gibt – so etwas hätte man vor ein paar Jahren nur mit einem müden Lächeln bekundet.

Das Gleiche passiert nun mit Reese Witherspoon. Sie ist am Hollywood Olymp angekommen. Ein fabelhafte Produzentin, die sich an Themen setzt, an die sich sonst nur wenige trauen und ein Schauspielerin, die einen Oscarnomminierung verdient hat. Als Produzentin steht sie auf einer Liga mit Drew Barrymore und Angelina Jolie.

Vallé hat einen Film gemacht, der nur selten langweilt. Der Film mischt Rückblenden und Traumsequenzen hervorragend. Es hilft neue Perspektiven zu bekommen, über sich zu lernen und Distanz zu seinem alltäglichen Leben zu bekommen.

Eine Komposition aus Lichtern, Farben und Musik. Kein Flashback, kein Schritt ist zu viel. Eine mentale Transformation. Aus dem Off wird manches kommentiert, anderes lässt eigene Interpretationen zu.

Der Film hat eine klare Botschaft. Jeder muss sein Leben selber in die Hand nehmen.

„My mother used to say something that drove me nuts. There is a sunrise and a sunset every day and you can choose to be there for it. You can put yourself in the way of beauty.“

Und dann noch ein Soundtrack, der einen von den 70iger Jahren ins Jetzt bringt – was will man mehr!