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KIKI // THE RANDOM NOISE // UNSER MITTAGSCRUSH

13.04.2015  – by Alice //

Unsere Mittagspause haben wir dieses Mal mit der liebsten Kiki Albrecht von The Random Noise verbracht. Bei köstlichen Bibimbap haben wir im YamYam über das Leben sinniert und philosophiert.

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Erzähl uns mal, wie du überhaupt bei der Mode gelandet bist?

Mode war irgendwie immer schon ein Thema bei mir zu Hause. Meine Eltern sind Architekten. Daher war immer schon ein Bezug zur Stofflichkeit und zum Handwerk. Unsere Urlaube haben wir immer in Museen verbracht und nicht, wie andere Teenager, auf der Aida oder am Strand – als 14. Jährige gab es schon leichte Interessensunterschiede deswegen. Jetzt bin ich aber eigentlich ganz froh darüber.

Hattest du auch den Wunsch Designerin zu werden?

Meine erste Modeschau habe ich in der ersten Klasse mit meinen Freundinnen gemacht. Bei uns im Garten – fast schon professionell mit Einladung und Musik. Ein großer Erfolg war das.

Nach der Schule hatte ich auch einen Platz auf der Modeschule. Jedoch habe ich mich dann – fast in letzter Sekunde – für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation auf der Universität der Künste Berlin entschieden.

Warum das? Wie kam es zu diesem Sinneswandel?

Nach der Schule habe ich zuerst Praktika bei Akris und der Instyle gemacht. Parallel dazu habe ich meinen Blog The Random Noise gestartet. Ich kannte mich damals in der Blogwelt noch gar nicht so gut aus. Stil in Berlin war fast der einzige Blog, den ich wahrgenommen habe. Mir war die Bedeutung und die Wirkung eines Blogs jedoch gar nicht klar damals. Ganz zu schweigen von dem Bewusstsein, dass man damit auch Geld verdienen kann. Während dieser Zeit bemerkte ich, dass ich eher an den Medien und dem ganzen Kontext interessiert bin. Es gibt so viele gesellschaftsrelevante Themen rund um das Thema Mode und damit wollte ich mich eher beschäftigen.

Bereust du den Schritt?

Nein, gar nicht. Ich habe einen unglaublichen Respekt vor Designern. Sie müssen ihr Innerstes immer zur Schau stellen. Der Akt des Designens ist ja etwas sehr privates und individuelles, fast schon ein intimer Vorgang. Man produziert aus sich heraus, braucht aber die gesellschaftliche Bewertung und Kritik. Das stelle ich mir gar nicht so leicht vor, da man sich ganz leicht zerbrechlich macht.

Was macht das bloggen so spannend?

Man lernt unglaublich interessante und kreative Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen kennen. Gleichzeitig kann man Designer auf ihrem Weg und ihren unterschiedlichen Phasen begleiten. Es ist doch interessant zu sehen, was drei Jahre nach dem ersten Interview passiert ist. Der Prozess und die Entwicklung stehen für mich im Vordergrund.

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Deswegen beschäftigst du dich auch nicht nur mit deinem Blog?

Ja, genau – mit einer Freundin habe ich im Januar eine Kommunikations-Agentur gegründet. BLOW heißt sie. Sie kommt aus dem PR Bereich und ich bin für das Konzeptionelle zuständig. Wir beraten unterschiedliche Unternehmen im Umgang mit Bloggern und Social Media. Noch immer ist es ein sehr junges Feld, das sich in die unterschiedlichen Richtungen entwickeln kann. Viele Firmen stehen jetzt vor der Herausforderung, wie man damit umgehen kann. Und wir möchten dabei auf beiden Seiten beratend zur Seite stehen.

Wie siehst du die Unterschiede zu Früher – zu den Anfängen der Modeblogger – Zeit? Geht der Weg in die richtige Richtung?

Vor ein paar Jahren wusste man noch gar nicht, ob man jemals Geld verdienen kann. Jetzt sieht man, dass es geht. Jedoch muss man immer in die Waagschale legen, mit welchen Kompromissen man das eingehen möchte. Für mich steht noch immer Qualität vor wirtschaftlicher Abhängigkeit. Der Status jetzt ist es den Luxus der Freiheit zu haben. Die Entwicklung kann so verschieden sein – entwickelt man ein eigenes Magazin auf Basis des Blogs oder sogar eine eigenes Modelabel. Oder kann man als Berater seinen Weg finden oder wechselt man zu einem Magazin. Alle Türen stehen noch offen.

Vergleichst du dich mit anderen Bloggern?

Nein, eigentlich nicht. Ich empfinde unter den Modebloggern keine Konkurrenz, ich habe immer mehr ein Gemeinschaftsgefühl empfunden. Viele von uns haben vor 4/5 Jahren etwa gleichzeitig begonnen. Natürlich beobachtet man sich und freut sich, wenn gute Projekte umgesetzt werden. Gleichzeitig wird man auch angespornt sich neue Ideen zu überlegen. Man ruft sich schon mal an und fragt nach, wie Projekte laufen – gerade beim Geld. Was steht einem zu, wie ist der Marktpreis. Da gerade dieses Thema noch neu ist, holt man sich Ratschläge ein.

Welche Magazine und Blogs liest du regelmäßig?

AD lag immer bei meinen Eltern herum, darin blättere ich schon immer. Sonst auch noch ID, ein tolles Magazin, das einen professionellen und humorvollen Blick auf die Mode hat. Interview, Vogue und Elle lese ich natürlich auch. Jedoch interessieren mich noch mehr Magazine aus dem Ausland, von L’Officiel Hommes France bis zur Vogue Hongkong. Deswegen kaufe ich viele, wenn ich auf einer Reise bin.

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Und Blogs?

Ich liebe Oracle Fox und Man Repeller, vor allem wegen der guten Texte. This Is Jane Wayne sind gute Freundinnen von mir, deren Entwicklung ich seit langem verfolge und mich unheimlich freue, was sie in der deutschen Blogosphäre geschafft haben. Begeistert bin ich auch von Maja Why, die eine eigene Richtung eingeschlagen hat. Man sieht, dass es bei Blogs so viele Unterschiede gibt, so dass jeder selbst alles zusammen suchen kann.

Wie siehst du eigentlich den Modestandort Deutschland?

Mode ist in Deutschland kein Kulturgut. Auch das wirtschaftliche Interesse fehlt oft. Lieber wird in andere Länder geschaut, bevor man in ein deutsches Label investiert. Man geht hier zu oft überkritisch mit sich selbst um und möchte daher kein Risiko eingehen. Das ist sehr schade. Daher ist die Gründung des German Fashion Council eine großartige und wichtige Entwicklung. Ich bin gespannt, wohin das führt.

Warum lebst du in Berlin?

Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Für Praktika bin ich in anderen Städten gewesen. Bin dann aber drauf gekommen, was mir alles fehlt – die Spätis, die Clubauswahl usw. Da wusste ich – ich gehöre nach Berlin. Berlin hat so viele unterschiedliche Bezirke mit unterschiedlichen Feinheiten. Jeder hat seine Freiheit, die man ihm auch lässt. Natürlich entwickelt sich alles weiter, manches zum Guten, doch an manchen Ecken wird es auch schon spießiger.

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Wie schaut dein perfekter Tag aus?

Am Sonntag in der Früh joggen am Grunewaldsee – bevor die Stadt aufwacht. Ich liebe diese Momente. Nach einem Frühstück auf dem Balkon, gibt es einen Spaziergang durch unterschiedliche Kieze. So kann man bewusst auf eine ruhige Art und Weiße seine Umgebung wahrnehmen. Durch die starke Entwicklung gibt es ständig etwas Neues zu entdecken. In Berlin passiert ja immer so viel – der Thaimarkt, Streetfood Märkte, Flohmärkte, die Markthalle 9…..

Gibt es eine andere Stadt, in der du dir vorstellen könntest zu leben?

In Istanbul, die Stadt hat eine aufregende Mischung aus Trash & Tradition – traditionelle Kleidung, alte Handwerkskunst und gleichzeitig Bling Bling – es gibt so viele unterschiedliche Einflüsse. Vor allem passiert in der digitalen Medienwelt wegen der schwierigen Pressefreiheit gerade ganz viel.

Gibt es ein Buch, das du uns empfehlen kannst?

Der Österreicher Robert Pfaller hat zwei beindruckende Bücher geschrieben – Zweite Welten und Wofür es sich zu Leben lohnt. Philosophisch und immer mit einem Augenzwinkern bringt er manchmal doch recht schwierige und komplexe Themen sehr verständlich auf den Punkt. Man kann ihm gut folgen- das mag ich.

Wie wichtig ist Musik für dich?

Ich höre viel und alles Querbeet, immer schon und das mit viel Freude. Gerade habe ich wieder Janis Joplin entdeckt.

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Bist du auch, so wie wir, ein Serienjunkie?

Vor Serien versuche ich mich momentan zu bewahren. Man wird so leicht verleitet einen ganzen Tag eine Serie anzuschauen. Darum liebe ich Dokumentationen, z.B. über Werner Herzog habe ich letztens eine fantastische gesehen. So kann man auch seine Filme besser verstehen. Gerne schau ich auch ältere Filme, wie Knocking on Heavens Door.

Und zu guter Letzt – wohin geht deine nächste Reise?

Nach Oslo – ich war da noch nie, bin aber schon sehr gespannt darauf.

Na dann, viel Spaß in Oslo – schreibe uns uns eine Postkarte von Oslo, Danke, liebste Kiki, für die schönen Zeit mir dir! Bitte bald wieder!

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